Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. Psalm 38,10

Nun beginnt sie wieder, die dunkle Jahreszeit und damit auch eine Zeit, die unserer Seele oft nicht so gut tut, weil die Wärme, die bunten Blumen und der frühe Sonnenaufgang fehlen. Im achtunddreißigsten Psalm schreibt ein Mensch, dem es körperlich und seelisch dreckig geht. Es ist ein Mensch, der vor dem Spiegel steht und innerlich Inventur macht. Was er dort sieht, gefällt ihm nicht. Augenscheinlich ist er vielleicht toll, aber vom Grunde her, ist er ein schlechter, sündiger Mensch. Das weiß König David, von dem der Bibelvers oben (= Monatsspruch Oktober) stammt. Aber immer wieder blitzt in dem Psalm die Gewissheit auf, dass er in alledem nicht alleine ist. Nach dem Blick auf das Ich kommt auch immer wieder das Du ins Gedächtnis. Nach dem Kreisen um sich selbst und dem Selbstmitleid blitzt sein Gegenüber auf. Wer ist dieses DU? Es ist der Schöpfer des Universums, der persönliche Gott, der sich nicht zurückgezogen hat, sondern mit dem man offen reden kann und der einen durch und durch kennt. Wie gut, wenn es einem gelingt, den Blick zu heben und sich auf einmal das Sichtfeld wieder weitet: Ich bin ja nicht allein! Da ist ja ein Gott, der sich für mich interessiert! Da ist jemand, vor dem ich mich mit meiner Seele und meinem Körper nicht verstecken kann - und auch nicht muss. Wie gut, wenn es uns gelingt, so vor Gott zu sein und auszupacken. So wird es Stück für Stück auch wieder hell.

Dein Thomas Koschinski, Gemeinschaftspastor