Open Doors Wochenende 2019

Was machen wir, wenn alles um uns herum nach Kreuzigung aussieht und es keine Hoffnung auf die Auferstehung gibt? Nik Ripken, ein Missionar aus den USA fliegt nach Somalia. Er fühlte sich als wäre er im Neuen Testament gestartet und im Alten angekommen. „Es war als wäre ich in der Hölle gelandet“, beschreibt er die Situation. Mit einem kleinen Team beginnen sie zu helfen, aber es ist wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Täglich müssen sie um die 20 Kinder begraben. Das Leid ist überwältigend. Nik stellt fest, dass seine christliche Ausbildung ihn nicht darauf vorbereitet hat, in einer solchen Umgebung zu arbeiten. Sein Fazit: „Jesus hat gesagt: „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe“, aber im Westen haben sie uns nur beigebracht, wie man als Schaf unter Schafen lebt.“

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„In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16, 33) Dieser Bibelvers hat uns durch die Open Doors Tage 2019 begleitet, aber die Sprecher haben diese Bedrängnis am eigenen Leib erfahren müssen. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Ländern von allen Enden der Erde: Turkmenistan, Iran, Irak, Ägypten, Mexiko, Nordkorea, Pakistan und den USA und genauso haben sie die unterschiedlichsten Hintergründe. Vielen von ihnen wären wir in ihrem früheren Leben ungern begegnet. Es beeindruckt uns immer wieder, wie Jesus Menschen verändert und welche Gegensätze sich in der weltweiten Gemeinde begegnen: Ehemalige Drogenabhängige und ehemalige Drogenhändler; frühere Islamisten, sowohl Sunniten als auch Schiiten und Menschen, die Anschläge nur knapp überlebt haben und ihren Peinigern vergeben konnten. Viele, die früher Verfolger waren oder Jesus nicht kannten, haben durch Ihn ein neues Leben bekommen und werden nun selbst verfolgt.

Erwartungen und Gedanken

Fabia: Es fällt mir etwas schwer, „anzukommen“. Der Alltag hinterlässt seine Spuren. Die Zeit, die mir neben der Ausbildung noch bleibt, verwende ich öfter, als mir lieb ist zu meinem persönlichen Vergnügen. Die Leidenschaft ist weg, das Gebet ist oft unliebsame Pflicht. Ich weiß, ich brauche diese Tage, um wieder ausgerichtet zu werden auf das, was wichtig ist.

Am Ende dieses Wochenendes merke ich, welchen Unterschied die Gemeinschaft macht. Hier fällt es mir leicht zu beten, die einzelnen Gebetszeiten sind mir eher zu kurz als zu lang. Zuhause, wenn ich alleine bin, lässt meine Konzentration schon nach wenigen Minuten nach - zu groß das Angebot der Dinge, die ich stattdessen tun könnte. Ich glaube, das ist eines der Probleme, die wir als Kirche in der „freien Welt“ haben: Wir nehmen sowohl das Gebet als auch die Gemeinschaft mit unseren Glaubensgeschwistern nicht ernst genug. Weil es uns scheinbar nichts kostet, wenn wir diese Dinge nicht haben.

Ich bete, dass meine Entscheidung, für meine Geschwister zu beten und dieses Gebet ernst zu nehmen, das nächste Jahr überlebt. Die letzten beiden Jahre habe ich die Open Doors Tage ziemlich euphorisch wieder verlassen, dieses Jahr bin ich nachdenklicher. Die Zeugnisse sind bewegend wie immer, doch ich höre stärker als früher die Herausforderung: Wie sieht es in meinem Leben mit dem Vertrauen auf Gott und der Hingabe aus? Was bin ich bereit für Jesus zu opfern?

 Male: Dieses Jahr bin ich wieder mit großen Erwartungen in die Tage gestartet, Erwartungen an das Programm, an mich und auch an Gott. Der Ablauf, die Musik, die Gebetszeiten waren mir sofort wieder vertraut. Es waren Christen aus den unterschiedlichsten Konfessionen zusammen, aber das hat keinen Unterschied gemacht und ich war froh in dieser Verbundenheit der Gemeinschaft sein zu können - wir kämpfen für dieselbe Sache und innerlich habe ich auch gekämpft. Ich habe gebetet, dass mich die Geschichten wieder so packen, wie die Jahre zuvor. Ich möchte nicht abstumpfen, sondern mich mit den Geschichten identifizieren. Ich weiß, dass es einen Unterschied macht die Geschichten zu hören, oder sie selber zu erleben - aber genau darum geht es: Sie sollen nicht einfach nur Geschichten für mich bleiben. Auch wir werden in unseren Gedanken, im Innern verfolgt - jeder Christ kennt das.

30. Mai (Open Doors Jugendtag)

Warum werden Christen verfolgt? Diese Frage war das Thema der Andacht an diesem Donnerstag. Die Kurzfassung: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ (Kolosser 1, 27b) Und dieses „Christus in euch“ macht der Welt Angst, weil es uns eine neue Identität gibt, auf die die Welt keinen Einfluss mehr hat. Die Welt, das Reich der Finsternis, kämpft immer noch gegen Jesus und wenn wir Ihn in uns tragen, dann geraten wir in die Schusslinie.

An anderer Stelle fordert uns ein Sprecher heraus: Die einzige Möglichkeit für Gott, die Verfolgung in dieser Welt zu beenden wäre, dass niemand mehr zu Jesus findet. Wir sollten deshalb um Stärke beten, die Verfolgung durchzustehen und nicht um ein Ende der Verfolgung.

Das Motto des Jugendtages war: Keine Helden. Oft hören wir die „Heldengeschichten“ der verfolgten Christen und wir staunen darüber, aber heute hören wir auch von den „unperfekten“ Geschichten, wie die von Pastor Batyr aus Turkmenistan, die an die Geschichte von Petrus erinnert. Immer wieder wird Batyr gefoltert, bis er unter der schlimmen Qual schließlich Jesus verleugnet. Batyr zieht ins Ausland, doch nach einiger Zeit wird Gottes Ruf so stark, dass er sich ihm nicht mehr entziehen kann: Gott erneuert seine Berufung und heute unterstützt Batyr Pastoren in Zentralasien, damit sie ihren Dienst ausüben können und die Gemeinden wachsen und gestärkt werden.

Pastor Shah aus Pakistan konnte der Einladung von Open Doors nicht nachkommen, da er in seiner Heimat Schwierigkeiten bekommen hat. Seine Tochter wurde entführt, dazu gezwungen, sich öffentlich zum Islam zu bekennen und mit einem Muslim zwangsverheiratet. Ihm selbst wurde eine Anklage wegen Blasphemie angedroht, wie es auch bei Asia Bibi passiert war. Sein ältester Sohn wurde entführt und als Druckmittel gegen Pastor Shah eingesetzt: „Wenn du dich nicht meldest, bringen wir ihn um!“. Wir beten gemeinsam mit ca. 3000 jungen Leuten für diese Familie. Das Programm geht weiter. Etwa vier Stunden später, zu Beginn einer weiteren Gebetszeit bekommen wir überraschend die Nachricht: Der Sohn von Pastor Shah wurde freigelassen. Alle danken Gott für dieses Wunder. Es ist unglaublich, so eine Gebetserhörung „live“ mitzuerleben. Aber warum sind wir darüber erstaunt? Glauben wir doch nur theoretisch an die Macht des Gebets? Trotzdem ist die Situation für Pastor Shah und seine Familie noch schwierig, weil er keine Arbeit hat und nicht weiß wie sie überleben sollen; auch hat er von seiner Tochter seit Wochen nichts mehr gehört.

Verstehen wir, was es heißt, dass wir nicht nur glauben sollen, sondern auch leiden, wie es in Philipper 1, 29 geschrieben steht: „Denn euch ist es im Blick auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden“? Wir fragen uns beide nach diesem Tag zum wiederholten Mal: Würde ich in dieser Verfolgung Jesus noch bekennen können? Es geht nicht um unsere menschliche Kraft, aber sind wir bereit, Gott bis zum Äußersten zu vertrauen und uns durch die Kraft von Jesus zu seinen Helden machen zu lassen?

Ein Tag mit vielen Eindrücken geht zu Ende…

31. Mai (Lobpreis- und Gebetsabend)

Der Lobpreis- und Gebetsabend ist beeindruckend, herausfordernd und gewaltig. Eine Nordkoreanerin erzählt von ihrer Flucht. Samiha aus Ägypten verlor die Hälfte ihres Gesichtes bei einem Attentat und ihre Vergebung für diesen Mann ist erstaunlich.

Wir hören heute von so viel Leid und wir merken irgendwann, dass wir keine passiven Zuschauer mehr sind. Wir verpflichten uns zum Gebet und die verfolgten Christen wissen um unsere Gebete: es sind keine wagen Hoffnungen Richtung Himmel, sondern mächtige Worte, die wir mit Autorität sprechen dürfen und sollen!

Auf mehrere Schultern verteilt tragen wir unsere Bitten, unser Flehen, aber auch den Dank durch mehrere Gebetszeiten. Es ist gar nicht so einfach den Abend zu beschreiben und einzuordnen. Wir waren noch nie in den Ländern, wo die Verfolgung herrscht, aber heute Abend sind wir unseren Geschwistern im Gebet ein Stück näher gekommen. Wir haben die Verantwortung zum Gebet und wir bitten Gott, dass wir sie auch nach dem Wochenende wahrnehmen, wenn der Alltag uns wieder einfordert.

Der Abend hat Spuren hinterlassen, wir gehen nachdenklich und ziemlich geschafft ins Bett.

1. Juni (Open Doors Tag)

Am nächsten Tag geht es weiter und der schon oben genannte Bibelvers aus Johannes 16, 33 begleitet uns besonders. Am Vormittag geht es um den ersten Teil: „In der Welt habt ihr Bedrängnis...“ Das ist eine Verheißung und wir müssen sie annehmen, wenn wir auch die „schönen“ Verheißungen in Anspruch nehmen wollen. Wir lesen lieber den zweiten Teil des Verses, trotzdem können wir nicht darüber hinweggehen, denn die Angst ist die stärkste Waffe des Feindes. Sie kann uns gefangen nehmen und lähmen oder uns zu faulen Kompromissen verführen und nicht mehr loslassen und das ist wirklich tückisch. In der Welt werden wir bedrängt werden. Können wir das annehmen?

Heute hören wir Geschichten von Christen, die uns mit ihrem Gottvertrauen stark beeindrucken und die z.B. keine Angst um ihre Familie haben und was mit ihnen geschieht: „...aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16, 33c)

Pastor Chito aus Mexiko saß gerade mit einem Mitarbeiter von Open Doors zusammen, als er einen Anruf bekam. Die Stimme am Hörer sagte zu ihm: „Wir haben deinen Sohn entführt. Wir wollen 80.000 Dollar.“ Pastor Chitos Reaktion ist daraufhin ebenso einfach wie erstaunlich: „Ich bin gerade in einer Besprechung. Ruf mich in zwei Stunden wieder zurück.“ Als er Tage später mit seinem Sohn telefonierte und die Entführer drohen, ihn genau in dem Moment zu töten sagte Chito zu ihm: „Bitte um Vergebung für deine Sünden, Gewinne diese Menschen, die Entführer, für Jesus und mach dich bereit zu Ihm zu gehen. Hab keine Angst!“ Als wir dieses Zeugnis hören kommt schon fast Empörung in uns hoch. Wir fragen uns: Wie kann man in so einer Situation keine Angst haben? Das ist doch einfach menschlich. Und wie kann man seinen eigenen Sohn in so einer Lage mit einem knappen, scheinbar lieblosen Befehl „abspeisen“? Aber es beeindruckt uns auch tief, dass Pastor Chito seinen Sohn in Jesu Händen sicher weiß, was auch passiert, ob sie ihn wiedersehen oder nicht.

 Male: Ich denke an meine Ängste und wo mein Vertrauen zu Gott zu klein ist. Wir werden herausgefordert durch die Kraft von Jesus auch unsere Ängste zu überwinden, denn wir sollen Jesus widerspiegeln. Ja wir tun es auch schon. Ich bete dafür, dass ich mehr von ihm erkennen kann.

 Und so beten wir nicht nur für unsere verfolgten Geschwister, sondern wir beten mit ihnen - wir sind ein Leib und auch wenn wir nicht in diesen Gefahren leben müssen, können wir uns verpflichten, ihnen im Gebet beizustehen. Es gibt nicht eine leidende und eine freie Gemeinde, sondern es gibt nur eine Gemeinde. Und: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit.“ (1. Korinther 12, 26)

Wie es mit Nik Ripken weiterging

Besonders beeindruckend ist es, wie die Geschichte von Nik Ripken weitergeht, der zu viel Leid in Somalia gesehen hat, der seinen eigenen Sohn am Ostersonntag verloren hat und entmutigt von dem grausamen Sterben und Leiden der Somalier die Arbeit dort aufgibt. Die Lage in Somalia ist immer noch schwierig. Eine Situation aus seinem Leben hat mich ermutigt nach diesem traurigen Bericht, denn Gott hatte einen Plan mit Nik. Eines Tages, mitten in Somalia, hört er einen Ruf von Gott, der ihm sagt, er solle nach Äthiopien gehen. Als er gegen seinen eigenen Willen dort ankommt, trifft er fünf Somalier, die schon auf ihn gewartet haben. Sie hatten die Frage, ob es wahr ist, dass Jesus, zu dem sie viele Jahre gebetet hatten, wirklich auferstanden und ihr Erlöser sei, oder ob sie ein Märchen geglaubt hatten. Nik hat in Kenia einen Zettel mit den Namen der Somalier in die Hand gedrückt bekommen, für die einige Menschen viele Jahre gebetet hatten. Er ist die Antwort auf deren Gebete gewesen und bezeugt, wer Jesus ist. Als Nik seine Erlebnisse Zuhause erzählt, fängt seine ganze Familie an zu weinen. Sie fragen ihn: „Siehst du denn nicht, wie Gott dein ganzes Leben vorbereitet hat und dich an die unterschiedlichsten Orte geschickt hat, alles nur um dich für dieses Treffen mit den Somaliern vorzubereiten?“ Nik stellt fest, dass er so auf eine zerbrochene Volksgruppe fokussiert war und so beschäftigt mit ihrer Situation, dass er Jesus nicht mal erkannte, als er an ihm vorüberging.

Genau wie die Somalier Nik gefragt haben: „Are you the one? Have you come?“, (Bist du es? Bist du gekommen?) hat er uns herausgefordert: Für wen bist du gekommen um ihn zu ermutigen, wenn er kurz davor steht, aufzugeben? Vielleicht fragt sich jemand, den du kennst: „Gibt es jemandem, dem ich genug bedeute, dass er zu mir kommt und mir Hilfe anbietet?“

Erfahrt mehr und erlebt es doch selbst…

Noch viele Geschichten und Zeugnisse könnten wir erzählen, von vielen Begegnungen und bewegenden Impulsen berichten. Doch das würde zum einen den Umfang dieses Berichtes sprengen, zum anderen lassen sich solche Erlebnisse nicht so einfach in Worte fassen. Deshalb können wir euch nur ermutigen, euch die Aufzeichnungen der Vorträge anzusehen oder anzuhören (https://www.opendoors.de/aktiv-werden/veranstaltungen/open-doors-jugendtag-2019; https://www.opendoors.de/aktiv-werden/veranstaltungen/lobpreis-und-gebetsabend-2019; https://www.opendoors.de/aktiv-werden/veranstaltungen/open-doors-tag-2019).

Und noch mehr wollen wir euch herausfordern, euch das nächste Himmelfahrtswochenende frei zu halten, um die Open Doors Tage selbst zu erleben. Diese drei Tage mit bewegenden Zeugnissen und Berichten, herausfordernden Impulsen, intensivem Lobpreis und noch intensiveren Gebetszeiten sind durch keine Mediathek der Welt zu ersetzen…

Are you the one? Have you come?